Forensisches Interview / Vernehmung / Befragung

Eine Befragung oder Vernehmung - auch häufig als Interview bezeichnet -  wird offen oder verdeckt durchgeführt. Ziel ist die Informationsgewinnung. Der Wahrheitsgehalt einer Aussage stellt dabei das Hauptkriterium zur Bewertung dar.

Natürlich handelt es sich bei der Vernehmung / Befragung Bzw. einem Interview durch "Private"  um keine Vernehmung / Befragung im strafprozessualen Sinn. Um die Aussagen jedoch gerichtsverwertbar in das Verfahren einfliessen lassen zu können, sind die einschlägigen Vorschriften unbedingt zu beachten.

Als Informationsquellen unterscheiden wir zwei Hauptkategorien:

  • * Die kooperationswillige Quelle,
  • * die kooperationsunwillige Quelle.

Bei der kooperationswilligen Quelle wird die Vernehmung selbst in der Regel kein Problem darstellen. Die Aussagen müssen im Hinblick auf den Wahrheitsgehalt dennoch einer Beurteilung unterzogen werden. Zunächst möchte man meinen, eine Person, welche helfen will, wird nichts verheimlichen. Darauf kommt es überwiegend aber nicht an. Bestimmte erlebte Vorgänge werden von Menschen unterschiedlich wahrgenommen und bewertet (subjektives Empfinden, soziales Umfeld --> Mikro- ,Mezzo-, Makrokosmos).

Problematischer ist die Informationsgewinnung bei kooperationsunwilligen Quellen. Die Verweigerungshaltung der Person kann von Grunde auf bestehen oder sich erst im Laufe der Vernehmung / Befragung (z. B. während der Kontaktaufnahme und Orientierungsphase) herausstellen. Entscheidend ist hier die Erfahrung und Einfühlungsfähigkeit des Interviewers, um eine passende, die Verweigerungshaltung brechende Methode zu finden. Es gibt verschiedene Methoden, auf die wir einzeln hier aber nicht eingehen wollen. Viele Detektive argumentieren, Informationsquellen würden sich privaten Kräften eher öffnen als polizeilichen Ermittlern. Es mag in Einzelfällen so sein, doch können wir dies - gerade wenn bereits Strafanzeige / Strafantrag in der Sache gestellt wurde und die Informationen mglw. weitergeleitet werden - nicht bestätigen.

Entgegen der Meinung vieler Kollegen ist im betrieblichen Ermittlungsdienst auch die Vorladung - ein Nichterscheinen kann mit Abmahnung sanktoniert werden -  zum Interview möglich. Der Mitarbeiter ist im Rahmen einer arbeitsvertraglichen Nebenpflicht (Loyalitätspflicht) zur Mitwirkung bei der Aufklärung von Straftaten gegen das Unternehmen im Regelfall verpflichtet. Im Arbeitsgerichtsprozess gibt es überdies kein Aussageverweigerungsrecht des Mitarbeiters, selbst wenn er sich damit selbst belasten würde. Es besteht also eine - nicht pauschaliert zu sehende - Selbstbelastungspflicht. Ein Verwertungsverbot im strafprozessualen Sinne bleibt hiervon unberührt, so das LAG Hamm. Der Zeuge / Verdächtige wird hierbei im Rahmen einer strukturierten Vernehmung / Befragung durch zwei Interviewer zu einem bestimmten Sachverhalt befragt. Von uns favorisiert wird dabei meist das kognitive Interview (kI) / verbessertes kognitives Interview (vkI) (25 - 35 % mehr korrekte Information ohne Erhöhung fehlerhafter Details; Geiselmann & Fisher et al.).

Bei der verdeckten Vernehmung / Befragung (auch nachrichtendienstliche Vernehmung / Befragung, Intelligence Interview) wird dem Befragten die wahre Identität des Befragers, beispielsweise bei einer Einschleusung eines verdeckten Ermittlers in ein Unternehmen,  verheimlicht. Dies ist u. A. nötig, wenn grundsätzlich eine Verweigerungshaltung der Zielperson vorausgesetzt werden kann und eine kontrollierte Vernehmung beispielsweise aus rechtlichen Gründen nicht möglich ist.
 

Eine Vorgehensweise ist das PEACE - Modell nach Milne & Bull:

*P Planning and Preparation (Planung und Vorbereitung)

*E Engage and Explain (Kontakt und Erforschung)

*A Account (Aussage)

*C Closure (Abschluss)

*E Evaluation (Bewertung)

Die Informationsgewinnung durch Vernehmung / Befragung wird durch private Kräfte schon aus Unkenntnis und Unerfahrenheit häufig unterschätzt, stellt aus unserer Sicht aber eine tragende Säule in der Informationsgewinnung dar.

Die Rechte der Betroffenen sind grundsätzlich zu wahren und ein solches Vorgehen gründlich abzuwägen.

Unser Interviewteam (inkl. der Autor dieser Zeilen) ist ausgebildet in der Anwendung des verbesserten (erweiterten) kognitiven Interviews. Durch die Ausbildung bei diversen, anerkannten Spezialisten (Märkert, Undeutsch/Klein, Hermanutz, Rüffer/Belitz) steht den Befragern ein multiples Vernehmungstoolset mit verschiedenen Ansätzen zur Verfügung. Diese Eigenschaft ermöglicht die umfassende Informationsabschöpfung und gleichzeitig eine reelle Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Aussagen.